Artikel zur Kategorie: Regenbogenbrücke
Flocke (Regenbogenbrücke)
Flocke
Eine trächtige Fundfähe landete bei Gaby und Doris. Sie nannten Sie Flocke,
denn sie war schneeweiß. Und trächtig! Keiner wusste, ob sie ausgesetzt wurde,
weil sie schwanger wurde, oder schon vorher, und sie traf einen Iltis, oder was
auch immer. Und: sie war voller Zecken! Nach der 30ten herausgedrehte Zecke
zählten sie nicht mehr. Dann warf sie 8 Welpen. Und war krank. Der Tierarzt
operierte bis nachts um 1 Uhr, immer wieder Blutungen. Am nächsten Tag starb
sie.
Flocke ging über die Regenbogenbrücke, langsam und zögerlich. Wo bin ich hier?
fragte sie sich. Dann sah sie die anderen Tiere: Frettchen, Hunde, Katzen, alle
spielten und tobten friedlich miteinander herum. Andere Frettchen kamen auf sie
zu: „Hallo, willkommen im Land der Regenbogen. Hier kannst Du auf Deinen
Menschen warten!“ Flocke zuckte zusammen: Menschen? Nein, Menschen waren nicht
gut. Menschen hatten Sie ausgesetzt. Die einzigen Menschen, die gut zu ihr
waren, das waren die der letzten Tage. Und da war sie schon zu krank, um sie richtig
kennen zu lernen. „Meine Babys“, stammelte sie, „wo sind meine Babys?“ „Du
hattest Babys? Wie alt?“ „Eben geboren“ Betretenes Schweigen, dann sagte eine
Fähe „dann kommen sie sicher gleich nach“ und schaute bedeutungsschwer zu den
anderen Frettchen. „Bleib hier gleich an der Brücke“.
Es kamen viele Tiere über die Brücke, aber auch Menschen. Es gab stürmische
Begrüßungen zwischen den Vorausgegangenen und den jetzt angekommenen. Und: es
kamen kleine Frettchenbabys! „Meine Babys“ rief Flocke vor Freude, und die
kleinen rannten auf ihre Mutter zu. Die Freude war riesengroß! „Meine Babys
sind wieder bei mir – oh, ich hatte doch 8, das sind nur 5…“ „Ach Mami, die
anderen sind noch auf der Erde. Gaby und Doris haben eine andere Frettchenmami
gefunden, die haben auch Babys. Aber die sind schon so groß, und wir… wir
wollten doch zu dir, Mami“ Flocke umherzte ihre kleinen Babys, dann sah sie
wieder zur Brücke. Da ist doch… Ja, wieder ein Baby! „Mami, ich bin hier“ rief
es laut. Und wenig später kam noch eines. Fast die ganze Familie war wieder
beisammen, und die Freude war riesig. Die Babys spielten mit den anderen
Frettchen, auch mit anderen Babys. Aber Flocke wartete. Eine Tochter fehlte
noch! Und eine dicke Träne rann ihr die Nase herab.
Da stand mit einmal ein Wesen neben ihr, ähnlich einem Menschen. „Warum weinst
Du denn, Flocke?“ Sie zuckte zusammen: „Du kennst mich?“ „Ich kenne alle Wesen,
die auf der Erde waren, denn ich habe sie erschaffen“. Sie erstarrte vor
Ehrfurcht. Dann fragte sie schüchtern: „dann weißt Du auch, dass noch ein Baby
von mir da auf der Erde ist, oder?“ „Ja, Flocke. Das weiß ich. Die Menschen und
die Frettchenammen bemühen sich so sehr, es zu behalten. Hier, schau durch mein
Fernrohr, dann siehst Du es“. Flocke sah hindurch. Sie sah Doris, wie sie die
Kleine hielt, und Gaby, die sie mit der Pipette fütterte. Sie sah die
Bäuchleinmassage – und die sorgenvollen Mienen der beiden. Und sie sah auch, dass
die Kleine versuchte zu schlucken. Das zerriss ihr fast das Herz. Ihre Kleine.
Ohne Mami, ohne Geschwister. Und sie schluchzte wieder auf.
„Möchtest Du sie wieder haben?“ „Oh ja, bitte bitte bitte“ Und da streckte er
die Hand aus, der Arm wurde immer länger, reichte bis auf die Erde. Und als er
die Hand wieder zurückzog, lag ein kleines Frettchenmädchen darin. Er legte sie
vorsichtig vor Flocke, streichelte sie noch einmal – und war verschwunden. Das
Frettchenbaby aber strahlte: „Mami, endlich bin ich bei Dir! Alle anderen waren
mit einmal weg, und ich hatte solche Angst, ich wusste nicht, wo ich hin sollte,
und dann… dann war ich mit einmal hier! Bei dir! Endlich zu Hause!“

